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Kredit und Kapital

„Kredit“ und „Kapital“ – „Geldkapital“ und Geldware (Die Schreibweise bestimmter Worte in kursiv und in „Anführungsstriche“ folgt der Methode im Buch „Der Erkenntnis-Widerspruch“. Siehe dazu im Buch Vorworte, Seite 5. Vom herrschenden Verständnis besetzte Worte und Aussagen (mit oder ohne Quellenangabe) werden kursiv widergegeben.) Das gegenwärtige herrschende Verständnis von dem, was im Zusammenhang mit Finanzkrise…

„Kredit“ und „Kapital“ – „Geldkapital“ und Geldware

(Die Schreibweise bestimmter Worte in kursiv und in „Anführungsstriche“ folgt der Methode im Buch „Der Erkenntnis-Widerspruch“. Siehe dazu im Buch Vorworte, Seite 5. Vom herrschenden Verständnis besetzte Worte und Aussagen (mit oder ohne Quellenangabe) werden kursiv widergegeben.)

Das gegenwärtige herrschende Verständnis von dem, was im Zusammenhang mit Finanzkrise (mit welchen Worten) zu dieser ausgesagt wird, unterscheidet sich nicht von dem Verständnis, das seit Beginn des „Kapitalismus“ herrscht. Mit Finanzkrise kämen Finanzierungsprobleme zum Ausdruck, die sich auf Politik, Wirtschaft, Gesellschaft dramatisch auswirkten. Die Finanzkrise bedürfe deshalb dringend einer Lösung. Die im Buch „Der Erkenntnis-Widerspruch“ abgeleitet Schlussfolgerung für das Verstehen, was als Krise zu bezeichnen, was das charakteristische Merkmal ihrer Ursache ist, hat auch die Frage nach dem Verständnis von „Kredit“ angeregt. Und zwar deshalb, weil was mit „Kredit“ bezeichnet wird, scheinbar Charakteristisches von Finanzierung und mit herrschendem Verständnis besetzt ist. Die Auseinandersetzung mit diesem herrschenden Verständnis beginnt mit der Frage, warum und was wird mit dem Wort „Kredit“ bezeichnet. „Der Kredit, in seinem einfachsten Ausdruck, ist das wohl oder übel begründete Vertrauen, das jemand veranlasst, einem andern einen gewissen Kapitalbelauf anzuvertrauen, in Geld oder in, auf einen bestimmten Geldwert abgeschätzten, Waren, welcher Betrag stets nach Ablauf einer bestimmten Frist zahlbar ist“1 Wenn Tooke so richtig übersetzt worden ist, hat er ein mit „Kredit“ bezeichnetes charakteristisches Merkmal definiert: Es sei veranlassendes „Vertrauen“, jemand anderem etwas zeitweilig zu überlassen. Es ist also nicht jedes „Vertrauen“, sondern nur, was begründet dieses zeitweilige Überlassen veranlasse. Doch: Welches Wohl oder Übel und warum begründet es ein „Vertrauen“ und warum „veranlasst“ dieses „Vertrauen“, etwas nur für eine bestimmte Zeit zu überlassen? Sicher wusste Tooke, dass das, was er zu dem Wort „Kredit“ erklärte, auch schon vor der Geldwirtschaft und nicht nur in Waren für eine bestimmt Zeit überlassen wurde, ohne dass es als „Kredit“ bezeichnet wurde. Das, was als „Kredit“ bezeichnet wurde und wird, musste also ab einem historischen Zeitpunkt allgemein als bedeutsam verstanden worden sein, weshalb es mit diesem besonderen Wort „Kredit“ bezeichnet wurde und jetzt deshalb auch noch damit bezeichnet wird. Einem anderen etwas nur zeitweilig zu überlassen, ist, unabhängig von aller Moral und Ethik, nicht durch Vertrauen veranlasst, sondern bedingt Vertrauen. Weshalb ein zeitweiliges Überlassen als bedeutsam verstanden worden ist und verstanden wird, die Antwort darauf ist nur aus dem abzuleiten, was zeitweilig überlassen wurde und wird. Es ist das, was nur zeitweilig überlassen werden kann, was nicht auf Dauer überlassen werden kann. Was nicht auf Dauer überlassen werden kann, ist das, was selbst gebraucht/ verbraucht werden muss, weil es, durch die Lebensreproduktion bedingt, dafür selbst gebraucht und verbraucht wird. Es ist also jeweils ein für die Lebensreproduktion zu gebrauchender/ zu verbrauchender konkreter „Gebrauchswert“. Dieser kann deshalb nur zeitweilig überlassen werden. Er muss aber auch nicht zeitweilig überlassen werden. Das charakteristische Merkmal der Warenwirtschaft ist, einen konkreten „Gebrauchswert“ einem anderen im Tausch gegen einen anderen konkreten „Gebrauchswert“, der den gleichen Tauschwert hat, auf Dauer zu überlassen. Das zeitweilige Überlassen hat also eine andere Bedeutung, weshalb es auch mit dem besonderen Wort „Kredit“ bezeichnet wurde und wird. Seine Bedeutung ist in einem Zusammenhang zu den auf einer gesellschaftlichen Teilung der Arbeit beruhenden Bedingungen der Warenwirtschaft festgestellt worden und feststellbar, in deren der Wert der zu tauschenden Ware (ihr Tauschwert) in seiner allgemein gültigen Äquivalentform Geld ausgedrückt wird. Die Bedeutung des zeitweiligen Überlassens von Geld, das nicht durch den Tausch der Waren als Ware Geld begründet war und ist, erschien als begründet durch die Verwendung von Geld als Geldware. Diese Bedeutung des zeitweiligen Überlassens von Geld als Geldware ist also auch von der zu unterscheiden, die ein zeitweiliges Verausgaben von Geld hat, das als „Vorschuss“ bezeichnet wird. „Vorschuss“ ist ein „zeitweiliges Verausgaben“ von Lebensenergie oder von deren sie repräsentierenden Erscheinung, die der „Verausgabende“ („Vorschießende“) später selbst (zurück-) gewinnt. So zum Beispiel auch der Besitzer von „Kapital“, das er selbst reproduziert. Die Bedeutung des zeitweiligen Überlassens von Geld, weshalb es mit dem besonderen Wort „Kreditieren“ („Kredit“) bezeichnet wird, ist also erst im Zusammenhang mit einer gesellschaftlichen Produktionsweise festgestellt worden und feststellbar, die als „kapitalistisch“ (als „Kapitalismus“) bezeichnet wird. Es ist das darauf beruhende gesellschaftliche Verhalten mit seinem herrschenden Verständnis zu Geld als Kapital, mit Geld mehr Geld realisieren zu können. Mit diesem Verständnis, aus Geld mehr Geld realisieren zu können, wird deshalb Geld auch als Kapital verstanden und bezeichnet, unabhängig davon, ob es als „Kapital“ fungieren kann, als „Kapital“ um „Profit“ erweitert reproduziert wird/ werden kann. Das zeitweilige Überlassen von Geld, sein Verkauf als Geldware, das „Kreditieren“ (der „Kredit“), erfolgt nicht mit der Bedingung, dass es als „Kapital“ fungiert, dass ihr Verkäufer sich mit diesem Geld an einer „Kapitalreproduktion“ beteiligen muss. Es erfolgt aber unter der vertraglich vereinbarten Bedingung, nach Gebrauch des Geldes, es zum vereinbarten Zeitpunkt als mehr Geld zurückzuzahlen. Erst nach dem der Verkauf des Gebrauchs von Geld, die Geldware, selbst Bedingung für die globale Erweiterung der „Kapitalreproduktion“ wurde, ist sie von denen als bedeutsam verstanden und mit einem besonderen Wort „Kreditieren“ („Kredit“) bezeichnet worden, die ihre Geldware nicht selbst als „Kapital“ reproduzieren, die sich nicht mit dieser an dessen Reproduktion beteiligen. Sie verlassen sich nicht auf ein Vertrauen, aus einer Beteiligung mehr Geld zu realisieren. Sie haben „Vertrauen“ in das „Vertragsrecht“, in die Macht, es durchsetzen zu können. Für das Verstehen der um „Profit“ erweiterten „Kapitalreproduktion“ ist das Unterscheiden von „Kapital“ und “Kredit“ ohne Bedeutung. Der Anteil am realisierte „Profit“ ist der Preis für den Gebrauch des jeweiligen Geldbetrages, der an der „Kapitalreproduktion“ beteiligt ist, ob er als „Kredit“ bezeichnet wird oder nicht. So lange „Profit“ realisiert wird, solange aus Geld mehr Geld realisiert wird, fungiert es als „Kapital“, wird es von ihren Besitzern als Kapital verstanden und bezeichnet, ob es auch „Kredit“ ist oder nicht. Bedeutung bekommt die Unterscheidung für das Verstehen der „Kapitalreproduktion“ und insbesondere für das Verstehen der aus ihr resultierenden Krisen, wenn diese Reproduktion stockt, „Profit“ nicht realisiert wird, Geld nicht „zurückfließt“, der Preis für den Gebrauch von Geld nicht (mehr) gezahlt werden kann, Kapital vernichtet, Geld verbrannt wurde. Geld, was als „Kapital“ um „Profit“ erweitert reproduziert werden sollte, hat diesen Wert nicht mehr, hat den Tauschwert verloren, weil dafür nicht mehr gebraucht. Eine Wirkung von Krisen der „Kapitalreproduktion“ ist deshalb auch, zwischen Geld, das als „Kapital“ fungiert, und dem als „Kredit“ bezeichneten zu unterscheiden, diesen Unterschied als bedeutsam zu verstehen. Dieses Verstehen wurde und wird von denen bestimmt und beherrscht, die den Preis für den verkauften Gebrauch ihrer Geldware (als „Kredit“) bezahlt haben wollen, unabhängig davon, ob sie als „Kapital“ gebraucht wurde oder wird, die nach vereinbarter Frist ihres Gebrauchens, es als Geld (als Zahlungsmittel) zurück haben wollen. Es sind jene des herrschenden Verständnisses, dass Geld an sich Zins trüge, Geld Kapital sei. Mit diesem herrschenden Verständnis wird das zeitweilig Überlassene zu dessen Gebrauch, die verkaufte Geldware, nicht nur als „Kredit“ bezeichnet, sondern der es zeitweilig gebraucht, hat die Zahlung des Preises für den Gebrauch, die Rückzahlung des Gebrauchten, als dessen Schuld („Verbindlichkeit“) gegenüber dem Überlassenden zu verstehen. Denn das „Kreditieren“ ist nur scheinbar durch „Vertrauen“ veranlasst. Denn der Überlassende ist kein Verleiher, sondern Verkäufer einer Ware, die Geldware2. Er verkauft den zeitweiligen Gebrauch seines Geldes. Und der es zeitweilig gebraucht, ist Käufer dieser Geldware. Ihr Verkaufspreis wird als Zins verstanden und bezeichnet. Deshalb drückt auch dieser Verkaufspreis (der Zins) den Wert des zu Tauschenden, dessen Tauschwert, aus. Er ist der Betrag aus dem Verhältnis des jeweiligen Anteils der Tauschenden an dem mehr Geld, das durch den Gebrauch dieser Geldware realisiert werden soll. Dieses Vertrauen, mehr Geld aus dem verkauften Gebrauch der Geldware realisieren zu können, veranlasst, ihren Gebrauch zu verkaufen/ zu kaufen, um wieder zu verkaufen. Doch festgestellt wurde und feststellbar ist, dass in „Krisenzeiten“ dieses Vertrauen schwindet, verloren geht. Aber nicht Vertrauen schwindet, geht verloren, sondern verloren geht die Rückzahlung des gebrauchten Geldes, die Zahlung des Preises für den Gebrauch des Geldes. Für diese so bezeichneten Zeiten ist charakteristisch, dass mehr Geld nicht mehr realisiert wird, dass als „Kapital“ eingesetzte Geld, dass die als Kapital verstandene und bezeichnete Geldware nicht mehr als „Kapital“ fungiert, festsitzt in nicht mehr verkaufbarer Ware. Von deren Besitzern verstehen immer mehr das als Vernichtung ihres Kapitals, als Wertverlust ihrer Geldware. Aber auch für die anderen geht der Wert ihres Geldes verloren. Sie können ihr Geld nicht mehr als „Geldkapital“ fungieren lassen. Es fehlt an Nachfrage nach dem zeitweiligen Gebrauch ihres Geldes. Sie suchen nach Anlagemöglichkeiten, nach Käufern ihrer Geldware. Aber auch die Käufer von Geldware können sie entweder nicht mehr gegen Geld oder, aber zu einem höheren Preis, nicht mit einer anderen Geldware tauschen. Warum und weshalb, ist von den Klassikern im Zusammenhang mit der Aufdeckung der Gesetze des „Kapitalismus“, seiner Krisen, bis hin zum Zusammenhang von „Kredit und fiktives Kapital“ ausführlich dargelegt und begründet worden.3 Hierzu nur so viel: Für die am Tausch bis zum Abbruch der Reproduktion beteiligten Besitzer von „Kapital“ verändert sich ihr bisheriges Gläubiger-Schuldner-Verhältnis nicht nur von einem zeitweiligen in ein nicht zeitweiliges. Denn das zeitweilige Verhältnis gründet(e) sich auf das Verständnis der jeweiligen Überlassenden, (mehr) Geld aus dem Tausch zu realisieren, weil sie ja „wohl oder übel“ darauf vertrauen könnten, im Ergebnis des Tauschs (mehr) Geld zurück zu erhalten. Mit Abbruch der „Kapitalreproduktion“ schwindet deshalb nicht nur dieses Vertrauen, sondern mit diesem Abbruch verändert sich auch das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis der an der „Kapitalreproduktion“ beteiligten Besitzer von „Kapital“. Dieses veränderte Gläubiger-Schuldner- Verhältnis ist nicht mehr durch den Tausch begründet, den die „Kapitalreproduktion“ bedingt. Es ist nicht mehr ein durch diesen bedingten Tausch bestimmtes zeitweiliges Verhältnis, das ein Verständnis der Überlassenden begründen kann, (mehr) Geld zurück erhalten zu können. Der Abbruch einer „Kapitalreproduktion“ wird aber nicht auch als Ende der „Geschäftsgrundlage“ für das bisherige Gläubiger-Schuldner-Verhältnis verstanden und erklärt. Denn das widerspräche dem herrschenden Verständnis, dass Geld „an sich Zins trägt“, also aus Geld „an sich“ mehr Geld realisiert werden kann. Deshalb ist sei eine Schuld an sich, die derjenige zu tragen habe, der sich Geld zu dessen Gebrauch leiht. Es sei ja nur dessen Interesse und nicht das Interesse desjenigen, der Geld für dessen Gebrauch überlässt (verleiht). Das mag für denjenigen zutreffend sein, der es nur zeitweilig überlassen kann. Aber nicht für diejenigen Besitzer von Geld, die es nicht nur zeitweilig überlassen können, sondern die sich deshalb zu ihm als “Kapital“ verhalten, mit ihm mehr Geld realisieren zu wollen. Das herrschende Verständnis ist also das dieser Besitzer von Geld, die deshalb auch alles Geld als Kapital verstehen und auch das zu dessen Gebrauch verliehene Geld, unabhängig davon, ob es als „Kapital“ um Profit erweitert reproduziert wird oder werden kann. Also, ganz gleich ob das Vertrauen darauf „wohl oder übel begründet“ ist, es entspricht diesem herrschenden Verständnis von Kapital und Zins, mit dem auch das Wort „Kredit“ besetzt ist. In „Krisenzeiten“ schwindet das Vertrauen (auch) zum herrschenden Verständnis von „Kredit“ und Kapital. Es schwindet das Vertrauen, dass Geld an sich Zins trägt, dass auch ohne Verkauf „produzierter“ Güter und Leistungen an Konsumenten, mehr Geld realisiert werden kann, dass Wert geschöpft werde, dass „Mehrwert“ nicht ohne Äquivalent Angeeignetes sei, dass „Kredit“ Kapital sei, und nicht Geldware. Weshalb etwas als „Kredit“ bezeichnet wurde und wird, hat also Bedeutung für das Zusammenleben in „kapitalistischen“ Verhältnissen, in denen es für diejenigen bedeutsam ist, die aus dem Verkauf des Gebrauchs ihres Geldes, aus seinem zeitweilig Überlassens, mehr Geld realisieren (wollen), ob durch seine um „Profit erweiterte Reproduktion als „Kapital“ oder anders. Es ist also das von ihnen beherrschte und das Verstehen beherrschende Verständnis von der Bedeutung des als „Kredit“ Bezeichneten. Historisch entwickelte sich das mit dem „Vergesellschaften“ des Privatbesitzes von Geld, der „Vergesellschaftung“ der Besitzer von Geld, die es nicht nur zeitweilig überlassen können, sondern auch, um dessen Wert zu erhalten, dessen Gebrauch verkaufen wollen und deshalb verkaufen müssen. Der Verkäufer ihrer Geldware und später dann immer mehr auch der „Produzent“ und Händler von Geldware wurden und sind Banken, Fonds, Versicherungen, die „Finanzindustrie“ und – der „Staat“.

Mit der „gesellschaftlichen Arbeitsteilung“ der um „Profit“ zu erweiternden Reproduktion von „Kapital“, werden seine verschiedenen Erscheinungen selbst zur Ware, deren verschiedenen Besitzer sie tauschen, weil diese für sie keinen „Gebrauchswert“ haben, sonst tauschten sie nicht. Sie tauschen aber nur, um damit mehr Geld („Profit“) zu realisieren. „Profit“ und Rückfluss von „Geldkapital“ können aber nur aus dem Verkauf der mit „Kapital“ „produzierten“ Gütern und Leistungen an Konsumenten realisiert werden. Das für eine um „Profit“ zu erweiternden Reproduktion von „Kapital“ vorzuschießende/ vorgeschossene Geld wird zwar deshalb als „Geldkapital“ verstanden und bezeichnet. Doch weil von bestimmten Besitzern das vorzuschießende/ vorgeschossene Geld als „Kredit“ verstanden und bezeichnet wird, entstanden und entstehen aufgrund der scheinbaren unterschiedlichen Bedeutung von „Kredit“ und „Kapital“ die Schwierigkeiten ihres Verstehens. Entstanden mit dem „Vergesellschaften“ des Privatbesitzes von Geld, der „Vergesellschaftung“ der Besitzer von Geld, die es nicht nur zeitweilig überlassen können, sondern auch, um dessen „Wert“ zu erhalten, dessen Gebrauch verkaufen wollen und verkaufen müssen. Der Verkäufer ihrer Geldware und später dann immer mehr auch der „Produzent“ von Geldware wurden und sind Banken, Fonds, Versicherungen, die „Finanzindustrie“ und – der „Staat“. Es wird darauf und auf die Erkenntnis, was als „Kapital“ zu verstehen ist, verwiesen und muss nicht im Einzelnen untersucht oder erklärt werden. Zu untersuchen ist nun im Weiteren hier „Kredit und fiktives Kapital“ im Zusammenhang mit „Geldkapital und wirkliches Kapital“ und von diesem im Zusammenhang mit Geldware. Aus Geld am Anfang zu mehr Geld am Ende der (erweiterten) Reproduktion von „Kapital“ bedingt einen Zeitraum, innerhalb dessen „Kapital“ verschiedene Erscheinungen annimmt, annehmen muss. Seine verschiedenen Erscheinungen haben „Kapital“ verschiedene Namen gegeben, mit denen sein Charakteristisches in seiner jeweiligen Reproduktionsphase bezeichnet wird. Seine Reproduktionsphasen sind notwendige aber keine hinreichende Bedingungen für den Tausch ihrer „Kapitalerscheinungen“. Wiederum bedingen ihre zeitliche Reihenfolge, die unterschiedliche Zeit, die seine einzelnen Reproduktionsphasen beanspruchen und die unterschiedlichen Bedingungen seines Reproduktionsprozesses in dessen einzelnen Phasen ein zeitliches Auseinanderfallen von Tauschvorgängen verschiedener Erscheinungen von „Kapital“. An diesen Tauschvorgängen ist stets „Geldkapital“ mit verschiedenen anderen Erscheinungen von „Kapital“ beteiligt. Wird die um mehr Geld erweiterte Reproduktion von „Kapital“ unterbrochen, kann es nicht in der Zeit, für die es dafür überlassen wurde als (mehr) Geld zurückfließen oder es kann nicht in der Zeit der Unterbrechung als „Geldkapital“ erneut erweitert reproduziert werden. Geld „liegt zeitweilig brach“, zeitweilig kann „Kapital“ in andere Erscheinung nicht gegen Geld getauscht werden. Abgesehen von einem natürlichen oder anders erzwungenen Wechsel des Besitzes an „Kapital“, bedingt ein Abbruch der (erweiterten) Reproduktion von „Kapital“ die Beendigung des Tauschs seiner Erscheinungen und damit, dass das zeitweilig für seine erweiterte Reproduktion überlassene „Geldkapital“ nicht als (mehr) Geld zurückfließen kann, Erscheinungen von „Kapital“ nicht wieder gegen Geld getauscht werden können. Alles als „Kapital“ eingesetzte Geld fungiert nicht mehr als „Kapital“, sitzt fest in nicht mehr verkaufbarer Ware, die nicht mehr als „Warenkapital“ fungieren kann. Die Besitzer verstehen das als Vernichtung ihres „Kapitals“. Sie verhalten sich zu dem nicht mehr als „Kapital“. Und alles aus verkauftem „Warenkapital“ realisierte (mehr) Geld kann zunächst nicht mehr als „Geldkapital“ fungieren, sucht nach „Anlagemöglichkeiten“. Für die am Tausch bis zum Abbruch der Reproduktion beteiligten Besitzer von „Kapital“ verändert sich ihr bisheriges Gläubiger-Schuldner-Verhältnis nicht nur von einem zeitweiligen in ein nicht zeitweiliges. Denn das zeitweilige Verhältnis gründet(e) sich auf das Verständnis der jeweiligen Überlassenden, (mehr) Geld aus dem Tausch zu realisieren, weil sie ja „wohl oder übel“ darauf vertrauen könnten, im Ergebnis des Tauschs (mehr) Geld zurück zu erhalten. Mit Abbruch der „Kapitalreproduktion“ schwindet deshalb nicht nur dieses Vertrauen, sondern mit diesem Abbruch verändert sich auch das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis der an der „Kapitalreproduktion“ beteiligten Besitzer von „Kapital“. Dieses veränderte Gläubiger-Schuldner- Verhältnis ist nicht mehr durch den Tausch begründet, den die „Kapitalreproduktion“ bedingt. Es ist nicht mehr ein durch diesen bedingten Tausch bestimmtes zeitweiliges Verhältnis, das ein Verständnis der Überlassenden begründen kann, (mehr) Geld zurück erhalten zu können. Der Abbruch einer „Kapitalreproduktion“ wird aber nicht auch als Ende der „Geschäftsgrundlage“ für das bisherige Gläubiger-Schuldner-Verhältnis verstanden und erklärt. Denn das widerspräche dem herrschenden Verständnis, dass Geld „an sich Zins trägt“, also aus Geld „an sich“ mehr Geld realisiert werden kann. Deshalb ist es eine Schuld „an sich“, die derjenige zu tragen hat, der sich Geld zu dessen Gebrauch leiht. Es sei ja nur dessen Interesse und nicht das Interesse desjenigen, der Geld für dessen Gebrauch überlässt (verleiht). Das mag für denjenigen zutreffend sein, der es nur zeitweilig überlassen kann. Aber nicht für diejenigen Besitzer von Geld, die es nicht nur zeitweilig überlassen können, sondern die sich deshalb zu ihm als “Kapital“ verhalten, mit ihm mehr Geld realisieren zu wollen. Das herrschende Verständnis ist also das dieser Besitzer von Geld, die deshalb auch alles Geld als Kapital verstehen und auch das zu dessen Gebrauch verliehene Geld, unabhängig davon, ob es als „Kapital“ um Profit erweitert reproduziert wird oder werden kann. Also, ganz gleich ob das Vertrauen darauf „wohl oder übel begründet“ ist, es entspricht diesem herrschenden Verständnis von Kapital und Zins, mit dem auch das Wort „Kredit“ besetzt ist. Das Verstehen des zeitweiligen Überlassens während der Tauschvorgänge bei kontinuierlicher Reproduktion des „Kapitals“, und in diesem Zusammenhang das Verstehen von „Kredit“ als Bezeichnung für ein durch Tauschvorgänge bedingtes zeitweiliges Überlassen bereitet keine Schwierigkeiten. Die technologisch bedingten unterschiedlichen Zeiträume des “ Produzierens“ zu tauschender „Gebrauchswerte“ , die transportbedingten unterschiedlichen Zeiträume des Tauschens „produzierter Gebrauchswerte“, die reproduktionsbedingten unterschiedlichen Zeiträume des Gebrauchens/ Verbrauchens „produzierter Gebrauchswerte“ hat unterschiedliche Zeiträume des Zahlens und Kaufens zur Folge, was wiederum unterschiedliche Zeiten des zeitweiligen Überlassens, also unterschiedliche „Kreditlaufzeiten“ , unterschiedlich „Kapitalbindung“, das zeitweilige Überlassen des Tauschwerts eines konkreten „Gebrauchswertes“ bedingt. Die Schwierigkeiten des Verstehens von „Kredit“ beginnen also erst dann und damit, dass „Kapital“ nicht um „Profit“ erweitert reproduziert wird und /oder werden kann, weil der Tausch einer „Kapitalerscheinung“ gegen Geld unterbrochen, nicht (mehr) möglich ist, dass „produzierte“ und / oder gehandelte Ware oder Geld nicht (mehr) als „Kapital“ fungieren können. Ursache für beides ist also „Überproduktion“, die nicht oder zeitweilig nicht verkaufbar ist, für die kein oder zeitweilig kein Bedarf besteht, sie zu konsumieren. Den einen fehlt das Geld, was nicht zurückfliest aus der Zahlung oder dem Verkauf von Ware. Den anderen fehlt die Möglichkeit es als „Kapital“ um Profit erweitert reproduzieren zu können. Es ist ein charakteristischer Zustand der „Kapitalreproduktion“, der als Krise des Zusammenlebens verstanden und bezeichnet wird. Die Schwierigkeit, das zu verstehen, ist also durch diese gegensätzlichen Erscheinungen bedingt, die scheinbar deshalb nicht zusammengehören, unterschiedliche Ursachen hätten. Und diese Schwierigkeit besteht auch deshalb, weil das Verständnis dazu gegensätzlich ist. Die einen verstehen diese „Krise“ als eine nicht zu deckende Nachfrage nach Geld, als einen zu großen „Kreditbedarf“ („Kreditklemme“), auch um mit diesem Geld, mit diesem „Kredit“ als „Kapital“ erneut um „Profit“ erweitert reproduzieren zu können oder auch um „Kredite“ tilgen zu können. Die anderen verstehen es als „Kreditangebot“, als Angebot, Geld „profitabel“ (auch) für den Anbietenden zu „verwerten“, für das es kaum Möglichkeiten der „Verwertung“ gibt, keine „Kreditnachfrage“ gibt. Die gegensätzlichen Erscheinungen haben also die gleiche Ursache. Sie sind Folge des charakteristischen Merkmals „kapitalistischen Produktionsweise“, „Kapital“ um „Profit“ erweitert zu reproduzieren, reproduzieren zu müssen, obwohl das eine Kapitalreproduktion4 nicht bedingt. Das herrschende Verständnis bestimmt aber das Verstehen dieser gegensätzlichen Erscheinungen als notwendige, durch den „Markt“ bedingte Erscheinungen und damit die Notwendigkeit von „Kredit“ zur Aufrechterhaltung einer um „Profit“ erweiterten „Kapitalreproduktion“, welche als „Wirtschaftswachstum“ bezeichnet wird. Ein „Wachsen der Wirtschaft“, das die um „Profit“ erweiterte „Kapitalreproduktion“ bedingt. Es ist also vor allem das Verständnis derjenigen, welche nach „profitable Anlagemöglichkeit“ suchen, anbieten, ihr Geld zu gebrauchen für „Wirtschaftswachstum“, das unabdingbar sei und für eine um „Profit“ erweiterte „Kapitalreproduktion“ unabdingbar ist. Es sind diejenigen, welche das Verstehen beherrschen, dass Geld „an sich Zins trägt“, dass „Geld“ in allen seinen Erscheinungen diesen „Wert“ habe und deshalb „Geld“ und zeitweilig überlassenes Geld („Kredit“) auch „Kapital“ sei. Aber gerate dadurch, durch die nicht verkaufbare „Überproduktion“, durch dieses „Wirtschaftswachstum“, gerät die „Kapitalreproduktion“ ins Stocken; bricht sie immer wieder ab, brechen dadurch immer wieder Krisen aus. Es kann dadurch „Kapital“ nicht in (Mehr-)Geld getauscht, „Kredite „ nicht getilgt werden. „Marktteilnehmer“ werden verunsichert, gehen Bankrott, und auch das herrschende Verständnis gerät offensichtlich in einem Gegensatz zur Realität dieser „Wirtschaft“ (zur Realwirtschaft). Weil aber das herrschende Verständnis dazu das Verstehen derjenigen zum Ausdruck bringt, die nach „profitablen Anlagemöglichkeiten“ suchen (müssen), mindestens den Rückfluss ihres „angelegten Geldes“ sichern wollen, wird die Krise deshalb von diesen als „Finanzkrise“ verstanden und bezeichnet, als Krise des „Bereitstellens von Geldmitteln“ . Sie verlangen die „Produktion“ und den Handel von mehr Geld, von auf Geld lautenden Papieren. Und diese sowie jene, welche von auf Geld lautenden Papieren „produzieren“ und handeln, verlangen von anderen, dass sie sich verschulden, „Kredite“ aufnehmen, absichern, damit die „Wirtschaft wachse“, damit sie ihre Schulden nebst Zinsen zurückzahlen können. „Wirtschaftswachstum“ wird deshalb nicht nur als Wachstum „produzierter“ Güter und Leistungen (Wachstum der Realwirtschaft) verstanden, sondern auch das Wachstum von auf Geld lautenden Papieren („Wachstum“ der Finanzwirtschaft“ ) und für die Darstellung dieses „Wirtschaftswachstums“ Daten „für Politik und Analyse“ 5erfasst. In Krisenzeiten wird dieses herrschende Verständnis immer wieder erschüttert und sie zwingen es, „Wirtschaftswachstum“ differenzierter zu erklären. Doch mit Realwirtschaft und mit „Finanzwirtschaft“ kommt nur seine Widersprüchlichkeit zum Ausdruck, sein dadurch beherrschtes Verstehen von Wirtschaft (Ökonomie) und damit auch von Politik, von der Politischen Ökonomie des „Kapitalismus“. Dieses herrschende Verständnis liefert deshalb auch die widersprüchliche Begründung für „Wirtschaftswachstum“. Einerseits für die Notwendigkeit des Kredit finanzierten und zum anderen, dass damit Schulden abgebaut werden könnten.6 Weil aber – durch die „kapitalistische Produktionsweise“ bedingt – das Kredit finanzierte „Wirtschaftswachstum“ immer wieder zu Überproduktionskrisen führt, werden deshalb die nicht mehr zu tilgenden Schulden immer größer, der Ruf nach Krediten, um damit Schulden tilgen zu können, immer größer, was als „Kreditklemme“ verstanden und bezeichnet wird. Mit dem herrschenden Verständnis von Kredit werden dieser Zusammenhang und dessen widersprüchliche Begründung verschleiert. Das Ausmaß der Verschleierung kommt auch in der Verwendung solcher Worte wie Realwirtschaft, Staatsschuldenkrise, Finanzkrise zum Ausdruck. Die Notwendigkeit eines differenzierten Verständnisses von mit „Kredit“ Bezeichnetem, zu Bezeichnendem, ergibt sich aus der Notwendigkeit, Politische Ökonomie verstehen zu können, verstehen zu müssen, um den Erhalt der Menschheit gestalten zu können.

Das zeitliche Auseinanderfallen der Tauschvorgänge bedingt zwar, dass zu Beginn des Tauschens der Tauschwert eines zu tauschenden konkreten „Gebrauchswertes“ zunächst zeitweilig überlassen wird, und zwar bis zum Zeitpunkt des Erhalts eines dafür anderen konkreten „Gebrauchswertes“ mit gleichem Tauschwert, also bis zum vereinbarten Zeitpunkt der Beendigung des Tauschvorganges. Gleiches gilt für Tauschvorgänge konkreter „Gebrauchswerte“ gegen Geld. Auch hierbei wird mit einem konkreten „Gebrauchswert“ auch dessen Tauschwert zeitweilig bis zum vereinbarten Zeitpunkt der Beendigung des Tauschvorganges überlassen, der in Geld zurück erhalten wird. Doch nicht deshalb ist das zeitweilige Überlassen des Tauschwertes als „Kredit“ zu verstehen, weil der Tauschwert die allgemeine gültige Äquivalentform Geld hat. Und ebenso wenig deshalb nicht als „Kredit“, weil der Überlassene „Vertrauen“ darin hat, dass er den Tauschwert zurückerhält, dass er den auf Dauer überlassenen konkreten „Gebrauchswert“ mit Geld bezahlt bekommt.

Es genügten Wahlversprechen + der Wille zur Kreditaufnahme, damit sich Staaten überschulden. Kredit liegt offenbar unbewacht auf der Streuobstwiese, wo er von klammen Staaten einfach aufgesammelt wird. Eine Steuerung der Kreditvergabe durch Gläubiger ist der Autorin unbekannt. Nicht einmal das Stocken des Kreditnachschubes scheint bei der jungen Dame einen Denkprozess darüber auszulösen, dass Kreditvergabe immer ein Zusammenwirken von Schuldner + Gläubiger ist. In einer Marktwirtschaft erfolgt dabei die Preisbildung über das Ausfallrisiko. Es mag die Autorin überraschen-aber schlechte Schuldner zahlen dort hohe Risikoprämien, während gute Schuldner leichter an Kredit kommen. Dies als direkte Folge des Ausfallrisikos für den Gläubiger. Wird dieses Regelventil beseitigt, indem Gläubiger + Schuldner einen Bail-Out-Pakt schließen, um das Ausfallrisiko abzuwälzen, dann eskaliert die Kreditvergabe. Zur Vermeidung müssen Kreditjunkie und Kreditdealer haften.

Currency=Währung


  1. Tooke, Thomas (1774-1858): Er hat sicher nicht zufällig Bezug genommen auf das lateinische Verb crēdere „(ver)trauen, glauben“. Sich beteiligen an Unternehmungen, und dafür von ihrer Lebensenergie etwas verausgaben („vorschießen“), erfolgt(e) mit der Überzeugung, dem Glauben, dem Vertrauen, mehr Lebensenergie aus dieser Beteiligung zu gewinnen, auch ohne diese Beteiligung als „Kredit“ zu bezeichnen.↩︎

  2. Geldware – zusammengesetztes Wort aus Bezeichnungen charakteristischer Merkmale mannigfacher Erscheinungen. Ware: Das zu Tauschende, weil es selbst nicht gebraucht, mit dem anderes durch Tausch erlangt wird. Geld: die allgemeine Äquivalentform, auch in mannigfachen auf Geld lautenden Erscheinungen, für zu Tauschendes↩︎

  3. „ . . . wo beide Seiten der landläufigen Theorie bei Beurteilung der Krisen recht und unrecht haben. Die da sagen, dass bloß Mangel an Zahlungsmitteln existiert, haben entweder bloß die Besitzer von bona fide Sicherheiten im Auge oder sind Narren, die glauben, es sei die Pflicht und in der Macht einer Bank, durch Papierzettel alle bankroten Schwindler in zahlungsfähige solide Kapitalisten zu verwandeln. Die da sagen, dass bloß Mangel an Kapital existiert, machen entweder bloße Wortklauberei, da ja in solchen Zeiten das inkonvertible Kapital infolge von Übereinfuhr und Überproduktion massenhaft vorhanden ist, oder sie sprechen bloß von jenen Kreditrittern, die nun in der Tat in Umstände gesetzt sind, wo sie nicht länger fremdes Kapital erhalten, um damit zu wirtschaften, und nun verlangen, die Bank solle ihnen nicht nur das verlorene Kapital zahlen helfen, sondern sie auch noch zur Fortsetzung des Schwindels befähigen.“ K. Marx „Das Kapital“↩︎

  4. Zu unterscheiden von „Kapital“ und Kapital – s. Der Erkenntnis-Widerspruch↩︎

  5. s. „Kritik zu den Grundsätzen und der Methode der „Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ unter http://diskussion.erkenntniswiderspruch.de↩︎

  6. s. Wirtschaftswachstum-Reproduktionswachstum unter http://diskussion.erkenntniswiderspruch.de↩︎

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