„Messung gefährlicher Wirtschaftsungleichgewichte“ – neues Weltwährungssystem
„G20 einig über Maßnahmen zum Abbau von Ungleichgewichten“
Reform des internationalen Währungssystems. Sie feilen an neuen Regeln für das Weltwährungssystem, die den Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten im November.
Globales Wirtschaften werde durch Währungsreserven, Staatsverschuldungen und Wechselkurse erheblich beeinflusst. Dadurch seien „gefährliche Wirtschaftsungleichgewichte“ entstanden. Zu diesem Verständnis haben sich die G-20-Staaten durchgerungen. Das kann wohl als Verdienst der französischen Finanzministerin Christine Lagarde gesehen werden, die auch für ein neues Weltwährungssystem
, dass „Währungsreserven“ und „Wechselkurse“ das „globale Wirtschaften“ bestimmen.. Damit „Politik gegensteuern“ kann, sollen Anhand fünf Indikatoren diese Ungleichgewichte gemessen werden. „Reale Wechselkurse“ sei einer dieser fünf Indikatoren. Mit einem neuen Weltwährungssystem sollen „reale“ Währungsverhältnisse, also zum Beispiel das Verhältnis von Dollar zu Euro, von Euro zu Dollar, bestimmt werden. Zur Erarbeitung von Vorschlägen für dieses neue System haben die G-20-Staaten eine Arbeitsgruppe beauftragt. Scheinbar besteht kein Vertrauen mehr, dass „der Markt“ „reale“ Währungsverhältnisse bestimmt. Wie sonst hat US-Finanzminister Geithner China aufgefordert, den Yuan schneller aufzuwerten, den „Wert“ des Yuan im Verhältnis zu anderen Währungen, insbesondere zum Dollar, zu erhöhen. Doch es ist wohl eher das schwindende Vertrauen in die Macht der „Leitwährung“ Dollar. Denn auch die „Staatenlenker“ beginnen zu verstehen, dass Währungsverhältnisse „nukleare Sprengkraft“ besitzen, dass diese immer mehr und immer globaler als Machtinstrumente verwendet werden. Die immer umgreifenderen und sich vertiefenden „Staatsverschuldungen“ zwingen sie zu einem globalen „Nichtangriffspakt“: zu einem neuen Weltwährungssystem. Mit ihm soll erreicht werden, dass Käufer und Verkäufer von Währungen deren „Werte“ nicht mehr mit verschiedenen Methoden und Begründungen festlegen oder diktieren. Mit ihm soll verhindert werden, dass weiterhin Machtinteressen, Spekulationen zum Handel mit Devisen und zu Wechselkursen gefährliche Wirtschaftsungleichgewichte zur Folge haben und die Bestimmung des „realen wirtschaftlichen Wertes“ einer Währung, die Bestimmung „realer Wechselkurse“ verhindern.. Doch „Wirtschaftsungleichgewichte“ sind Ergebnisse des „Marktes“ und nicht das Werk böser gieriger Menschen, nicht das Werk von Spekulanten. Sie sind reale Marktergebnisse. Ebenso die Wechselkurse. Will Politik aufgrund der Gefährlichkeit dieser Ungleichgewichte „gegensteuern“, muss sie also nicht in den „Markt“ eingreifen, sondern in die „Gewichte“ der Wirtschaften der Währungsländer. Dafür muss Politik wiederum deren Realität so zur Kenntnis nehmen, dass sie diese analysieren kann, womit und wie Ungleichgewichten gegenzusteuern ist. Voraussetzung dafür ist ein weltweites einheitliches Verständnis von „wirtschaftlichen Wert“ und von den Indikatoren, mit denen die kausale Zusammenhänge des Wirtschaftens erfasst, dargestellt und analysiert werden können, welche diesen „wirtschaftlichen Wert“ verursachen. Für ein neues Weltwährungssystem ist also die Bestimmung „realer wirtschaftlicher Werte“ Voraussetzung. Der „Wert“ einer Währung, der diesen „wirtschaftlichen Wert“ repräsentierte, wäre dann allerdings auch nicht mehr als Preis zu verstehen. Währungen werden dann nicht mehr verkauft/ gekauft, sondern zu einem bestimmten „Wertverhältnis“ getauscht. Das Verständnis des Zusammenhanges von „Staat“ und „Markt“ muss vom Kopf der Ideologie auf die Füße der Wirklichkeit gestellt werden. Ein weltweit einheitliches Verständnis von „wirtschaftlichen Wert“ zu erreichen, das die Währungsländer für die Bestimmung von Währungsverhältnissen akzeptieren, diese Aufgabe muss die G-20-Arbeitsgruppe zuerst lösen. Mit dem herrschenden Verständnis, dass der Wechselkurs von Geldbeträgen „Wert“ ausdrücke und mit einem Kaufkraftstandard (KKS), der eine „von Landeswährungen unabhängige fiktive Geldeinheit“ sei, die „Verzerrungen aufgrund von Unterschieden im Preisniveau verschiedener Länder ausschalte“, ist kein neues Weltwährungssystem zu entwickeln. Denn auch für den KKS werden Kaufkraftparitäten (KKP) ermittelt und zwar indem „sie mit Wechselkursen vergleichbar gemacht werden“. Doch diese sind „realen Wechselkurse“, die „realen wirtschaftliche Werte“ repräsentieren. Ein philosophisch begründetes Verständnis von „Wert“ anwenden zu wollen, darauf kann sich die G-20-Arbeitsgruppe nicht einlassen. Denn die gegensätzlichen Ideologien zu „Wert“ sind nicht vereinbar. Ebenso wenig tauglich dafür ist ein Verständnis, dass irgend ein Ding einen bestimmten „wirtschaftlichen Wert an sich“ habe, der als Maßstab zur Bestimmung von Währungsverhältnissen dienen könnte, wie es historisch zum Beispiel mit Gold verstanden wurde. Ebenso wenig als Maßstab tauglich ist der “Wert“ der Währung eines Landes („Leitwährung“). „Leitwährung“ ist immer Machtinstrument. Ein allseitig akzeptiertes Verständnis von „Wert“ darf auch keine bloße „Denkfigur“ sein. Diesem Verständnis muss eine handhabbare Bestimmung des „wirtschaftlichen Wertes“ mit den bestehenden Möglichkeiten der Erfassung und Analyse von wirtschaftlichen Daten zugrunde liegen. Daten, mit denen vergleichbare „wirtschaftliche Werte“ der Währungsländer zum Ausdruck kommen. Wird mit „wirtschaftlichen Wert“ (in Bezug auf die Bestimmung von Währungsverhältnissen) alles das verstanden, was für alle Menschen wichtig für ihr Leben und Zusammenleben ist, ganz gleich zu welchem Währungsland sie gehören, können es nur die Mitteln und Bedingungen sein, die sie für ihr Leben, Zusammenleben verbrauchen und gebrauchen, die sie individuell und produktiv konsumieren. Denn in dem, was und indem sie es kaufen, kommt ihr Verständnis zum Ausdruck, dass das für ihr Leben und Zusammenleben (eigentlich) „Wert“ hat. Als Daten erfasst wäre es die verkaufte/gekaufte Jahresmenge an Gütern und Leistungen, mit der ein Maßstab des „wirtschaftlichen Wertes“ bestimmt werden kann. Doch mit den erfassten Daten von einer zu Preisen des jeweiligen Währungslandes bewerteten Jahresmenge können „wirtschaftlichen Werte“ der Währungsländer nicht verglichen werden. Nicht nur die als Preis ausgedrückten Geldnamen sind verschieden. Auch das historisch entstandene Preisniveau – also die Menge Geldeinheiten – von vergleichbaren Gütern und Leistungen ist in den Währungsländern ungleich. Wiederum besteht aber in allen Währungsländern ein Zusammenhang zwischen der zu Preisen ausgedrückten verkauften/ gekauften Jahresmenge an Gütern und Leistungen und der Menge gleicher Geldeinheiten, die für deren Bezahlung benötigt wurde. Das Verhältnis von dieser Preissumme und dieser Menge gleicher Geldeinheiten („Geldmenge“) ist vergleichbar. Für diese Vergleichbarkeit kann zulässig angenommen werden, dass die Zahl der in einem Jahr mit dieser Meng gleicher Geldeinheiten erfolgten Käufe gleich ist. Es ist ein Ideal-Verhältnis. Wäre es in allen Währungsländern feststellbar, könnte das jeweilige Währungsverhältnis aus dem Verhältnis dieser Preissummen der jeweiligen Währungsländer bestimmt werden. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Die „Geldmenge“ ist in allen Währungsländern größer als benötigt und auch die in Geld ausgedrückte als „Finanzprodukte“ bezeichnete Menge. Darüber hinaus wird als „wirtschaftlicher Wert“ das Bruttoinlandsprodukt verstanden, unabhängig davon ob es verkaufbar ist oder nicht. Und nicht zuletzt werden auch die Produktion und der Handel mit „Finanzprodukten“ als „wirtschaftlicher Wert“ verstanden, unabhängig davon ob mit ihnen verkaufbare Güter und Leistungen für das Leben und Zusammenleben produziert werden (können) oder nicht. Dagegen wird in diesem so verstandenen „wirtschaftlichen Wert“ die Verschuldung der Währungsländer nicht berücksichtigt. Die Salden der Leistungsbilanzen der Währungsländer drücken nicht deren „wirtschaftlichen Wert“ aus und für die Bestimmung von Währungsverhältnisse zugrunde gelegt werden. Deshalb können auch mit den vorgeschlagenen Indikatoren Leistungsbilanz, reale Wechselkurse, Haushaltsdefizit und öffentliche Schulden, Währungsreserven und private Spareinlagen wirtschaftliche Ungleichgewicht weder „festgemacht“ noch mit ihnen Währungsverhältnisse bestimmt werden. Mit den bestehenden und zu erarbeitenden Möglichkeiten der Erfassung und Darstellung von Daten der „Geldmenge“, der Menge der „Finanzprodukte“ (Geldware), der „Staatsschulden“ und der Schulden der Bevölkerung jedes Währungslandes können die Abweichungen zum genannten Ideal-Verhältnis festgestellt als Ist-Verhältnis jedes Währungslandes dargestellt werden. Mit diesen Ist-Verhältnissen zueinander können Währungsverhältnisse bestimmt werden. Diese Bestimmung kann deshalb nicht Ergebnis eines („Währungs-) Systems“, das im kybernetische Verständnis ein sich selbst organisierenden ist, sein. Die Bestimmung bedarf einer Ordnung, für die ein anderes Ordnen des Systems „United Nations System of National Accounts“ eine unabdingbare Grundlage ist. G-20-Staaten erstmals auf Indikatoren für die Messung von Wirtschaftsungleichgewichten geeinigt
Der Erfolg Christine Lagarde ist, dass „20 Staaten“ mit fünf Indikatoren, mit denen auch deren Zusammenhang festgestellt werden könnte, „globales Wirtschaften“ gleichermaßen verstehen wollen. „Währungsreserven“ und “ Wechselkurse“ bestimmen das „globale Wirtschaften“, bestimmen dessen „Ungleichgewichte“. Ihre Politiker haben „Ungleichgewichte“ erkannt und, dass sie „gefährlich“ sind, dass Politik „gegensteuern“ muss. Das ist mehr als der Abgesang, Bestehendes sei besser als „jede politisch inspirierte Intervention“. Doch auch, was die „20 Staaten“ jetzt verstehen wollen, ist Ausdruck von Hilflosigkeit. Mit fünf Indikatoren sollen die ihnen bereits erkannten „gefährlichen Ungleichgewichte“ nun „frühzeitig und präzise“ erkannt werden, damit „verlässlich Fehlentwicklungen erkannt und gegengesteuert werden könnten“. Das ist nicht nur deshalb eine Illusion, weil mit deren Erkennen keine Interessengegensätze ausgeglichen werden. So notwendig dieses Gegensteuern ist, scheitert es schon daran, dass in diesen „20-Staaten“ ein unterschiedliches, jeweils ideologisch geprägtes Verständnis zu diesen Indikatoren herrscht. So zum Beispiel, welcher Wechselkurs als „real“ , welches Ungleichgewicht und für wem „gefährlich“ ist, aber auch womit und durch wem „gegengesteuert“ werden kann. Die Überwindung dieses herrschende Verständnis ist notwendig, um „globales Wirtschaften“ verstehen zu können. Das „Ordnen“ zu einem Verstehen von Währung, von Währungsverhältnissen muss gegen allen Widerstand ihrer „Profiteure“ durch „Politik“ als ersten Schritt zur Beherrschung der Auswirkungen der Ungleichgewichte durchgesetzt werden. (differenzierter in Kritik der Politischen Ökonomie – www.erkenntniswiderspruch.de)
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