Reproduktionswachstum[1] PB 2014
Mit der Bezeichnung Reproduktionswachstum kommt das Verständnis von dem Verändern der Lebensreproduktion mit Mehrprodukt zum Ausdruck. Reproduktionswachstum ist also Bezeichnung für die resultierende Wirkung des mit Mehrprodukt mehr reproduzierten Lebens mit dessen mehr reproduzierten „Produktionsmittel“ und „Produktionsbedingungen“. Seine resultierende Wirkung kann und muss die Veränderung der Lebensreproduktion der Menschen und damit die der Reproduktion ihres Zusammenlebens sein, um der Menschheit Zukunft zu sichern.
Es ist die resultierende Wirkung der Tätigkeit der Menschen, mit der sie eben auch ihre Lebensreproduktion, und damit die Reproduktion ihrer „Produktionsmittel“ und „Produktionsbedingungen“, verändert. Zu dieser Tätigkeit gehört die, welche als „Politik“ verstanden und bezeichnet wird. Es ist die Tätigkeit, mit der die Reproduktion der „Gesellschaft“, also das Reproduzieren des Lebens ihrer Mitglieder gesichert wird (werden kann). „Politik“ ist die Tätigkeit, mit der die resultierende Wirkung des Reproduzierens beherrscht wird (werden kann). Es ist „Politik“ des Reproduktionswachstums.
Politik ist Bezeichnung für eine Gesamtheit zusammenhängender mannigfach erscheinender Tätigkeiten, für deren charakteristisches Merkmal die Aufrechterhaltung der Reproduktion des Lebens der Mitglieder der Gesellschaft, ihres Zusammenlebens, als resultierende Wirkung feststellbar ist (sein soll). Es sind also die Tätigkeiten der Mitglieder der Gesellschaft, welche über Mittel und Bedingungen der Lebensreproduktion verfügen (wollen).
Das Verändern des Bestehenden zu einem Reproduktionswachstum bedingt also auch eine „Politik“ dafür, ein Verändern der gegenwärtigen „Politik“. Dieses Verändern bedingt das Verständnis vom „Reproduktionsprozess“ der „Gesellschaft“ und damit die Überwindung des Widerspruchs zu den Erkenntnissen der „klassischen Ökonomie“ . Es sind die Erkenntnisse von den kausalen Zusammenhängen der „einfachen“ und „erweiterten“ Reproduktion der „kapitalistischen Produktionsweise“, also in welchen kausalen Zusammenhängen sie sich ändert.
Ein Mehr als bisher an Gütern und Leistungen ist aber stets ein Mehr als bisher an Tätigkeiten seines „Produzierens“, Zirkulierens und Sicherns. Es ist also stets ein Ergebnis von Mehrtätigkeit. Es ist ein Mehr an „produzierender“ Tätigkeit von Menschen, mit denen sie mehr Güter und Leistungen „produzieren“ als sie für ihre individuelle Reproduktion benötigen. Es ist ein Mehr an Gütern und Leistungen für die Reproduktion ihrer Gesellschaft, zu der sie gehören.
Ihre Mehrtätigkeit ist deshalb Tätigkeit für die Gesellschaft, gesellschaftliche Tätigkeit. Die Lebensreproduktion bedingt den Zusammenhang von individueller und gesellschaftlicher Reproduktion. Die eine ist mit der anderen untrennbar verbunden. Ohne des Menschen Tätigkeit kein Erlangen und Sichern von Mitteln und Bedingungen der Lebensreproduktion und also auch kein Mehr davon und kein Mehr für sie.
Doch damit kommt lediglich das Feststellbare zum Ausdruck, dass alles, womit und wodurch der Mensch sein Leben reproduziert, Mittel und Bedingungen dafür erlangt und sichert, seine Tätigkeit und dessen Ergebnis ist, ob er mehr als bisher „produziert“, im „Produzierten“ auch ein Mehrprodukt feststellbar ist oder nicht. Jede als Wachstum bezeichnete Veränderung ist Ergebnis unmittelbarer Mehrtätigkeit und /oder Tätigkeit mit in produktiveren Mitteln und Bedingungen enthaltener Mehrtätigkeit.
Eine erweiterte Lebensreproduktion bedingt(e) eine erweiterte Tätigkeitsteilung des „Produzierens“ (des Erlangens und Sicherns ihrer Mittel und Bedingungen) und damit die Teilung (Spezialisierung) dieser Tätigkeiten und den Tausch der mit diesen (nun spezialisierten) Tätigkeiten „produzierten“ Gütern und Leistungen unterschiedlicher „Gebrauchswerte“. Die an der Tätigkeitsteilung Beteiligten tauschen das von ihnen „Produzierte“, das mehr ist, als sie selbst brauchen. Sie verstehen und bezeichnen das deshalb als (ihr) Mehr. Aber nur das, was sie im Tausch hingeben, nicht das als Mehr, was sie im Tausch erhalten.
Aus diesem Tausch resultiert also kein Mehr an Gütern und Leistungen. Jeder „produziert“ zwar mehr (für den Tausch), doch insgesamt ergibt das kein Mehr für alle und auch kein Mehr als bisher, kein „Wirtschaftswachstum“. Das gilt auch bei Erweiterung der Tätigkeitsteilung. Das für den Tausch „Produzierte“ ist also auch nicht als Mehrprodukt zu verstehen und zu bezeichnen.
Scheinbar deshalb ist das herrschende Verständnis folgerichtig, dass das Mehr Ergebnis des „Schöpfens eines Mehrwerts“ sei und das Verstehen seiner Quelle, was das Schöpfen sei, woraus geschöpft werde, des beliebigen Verstehens überlassen bleiben müsse. „Mehrwert“ aus dem Tausch jedenfalls deshalb nicht, weil er sonst als Ergebnis von Betrug, als ein Tausch nicht gleich gegen gleich erklärt werden müsste. Das zu erkennen, davor scheut sich das herrschende Verständnis wie „der Teufel das Weihwasser“.
Weil aber jedes Mehr Ergebnis von Mehrtätigkeit ist, kann also im Tausch ein Mehr an Gütern und Leistungen nur dann erlangt werden, wenn der Tausch des „Gebrauchswertes“ – Tätigkeit des „Produzierens“ – gegen ein zu gebrauchendes „Produkt“ oder gegen eine zu gebrauchende Leistung scheinbar ein Tausch gleichem Wertvollem ist, als gleich wertvoll von den Tauschenden verstanden wird, verstanden werden muss – Tausch „Gebrauchswert“ Tätigkeit des „Produzierens“ gegen „Gebrauchswert“ eines „Produkts“ oder einer Leistung.
Es geht aber nicht um das „Schöpfen eines Mehrwerts“, sondern um das „produzieren“ eines Mehrprodukts, das die Lebensreproduktion bedingt. Es geht also auch nicht um das Verstehen dieses „Schleierbegriffs“ „Mehrwertschöpfung“, sondern um die Erkenntnis, dass in diesem „Schleierbegriff“ das Verhalten zur Mehrtätigkeit und damit die „Gesellschaftsverhältnisse“ zum Ausdruck kommen. Es ist das herrschende Verständnis von „Wirtschaftswachstum“, von dessen Quelle, wer über diese oder deren Ergebnis verfügen kann, Verfügungsmacht darüber hat.
Die Lebensreproduktion bedingt also Mehrtätigkeit, mit der immer mehr ein Mehrprodukt zu „produzieren“ ist, mit dem seine Quelle, die Mehrtätigkeit, reproduziert werden kann. Es ist die Reproduktion der „Gesellschaft“ des oder der „Produzierenden“, für die Reproduktion der „Produktionsmittel“ und „Produktionsbedingungen“ des Teils der Erde, an denen die Reproduktion ihrer „Gesellschaft“, die Reproduktion von Leben daran gebunden ist. Es ist damit auch die Reproduktion einer Ordnung über das Verfügen darüber.
Was die Lebensreproduktion bedingt, ist also nicht nur Gegenstand und Ergebnis des „Marktes“, der „Wirtschaft“, aber sehr wohl das Verständnis der Wirtschaftenden. Die Lebensreproduktion bedingt aber, dass die „Gesellschaft“ über diese Mehrtätigkeit, über das „Produzieren“ und „Konsumieren“ eines Mehrprodukts verfügt. Sie bedingt also auch ein verändertes Verhalten zu seiner Quelle, der Mehrtätigkeit, zu deren Reproduktion. Sie bedingt damit auch die Reproduktion einer dafür notwendigen Ordnung des Verfügens der „Gesellschaft“, ein wissenschaftlich begründetes Verständnis dazu.
Die Beantwortung der Frage zur Notwendigkeit oder Nichtnotwendigkeit eines „Wirtschaftswachstums“ erfordert also die Überwindung des „schleierhaften“ herrschenden Verständnisses von „Staat“ und „Gesellschaft“, dass „Staat“ über der „Gesellschaft“ stünde, sich „über Partikularinteressen“ erhebe, sein „Staatsmonopol postsozialistischer Neo-Etatismus“, sei, mit dem „demokratische Grenzen“ verletzt werden (könnten). Die Veröffentlichung eines Bekenntnisses: „Nur der Staat handelt demokratisch legitimiert“, ist deshalb schon ein bemerkenswerter Schritt zur Überwindung dieses herrschenden Verständnisses.
Das aus den bisherigen Ausführungen abgeleitete differenzierte Verstehen von einem „Mehr“ (Wachstum) und seiner Quelle, der Mehrtätigkeit, und damit auch vom Zusammenhang des Verfügens darüber und der Sicherung der Lebensreproduktion, ist Voraussetzung, die Bedeutung von Erscheinungen, die als „Wirtschaftswachstum“, „Wohlstandsicherung“, aber auch als „Demokratie“, verstanden und bezeichnet werden, beurteilen zu können, ohne sich dabei in das Dickicht mannigfacher Meinungen dazu begeben zu müssen. Die bisherigen Ausführungen zum „Mehr“ als „Gebrauchswert“, sind deshalb auch nur eine scheinbare Beschränkung darauf. Denn es geht um das Verstehen des charakteristischen Merkmals von „Mehr“, von Wachstum. Das Leben wird mit konkreten Leistungen und (Mengen an) Gütern reproduziert, gesichert, und nicht mit Geld, bzw. mit mehr Geld. Mehr Geld ist nicht Mehrprodukt.
Mit einem in Geldmenge ausgedrückten „Wirtschaftswachstum“, zum Beispiel mit dem dafür verwendeten Indikator „Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP)“, kann dieses unterschiedliche Mehr an zu gebrauchenden Gütern und Leistungen der Lebensreproduktion nicht zum Ausdruck gebracht werden. Es ist ein dafür unbrauchbares Kriterium und unbrauchbar für eine differenzierte Darstellung von „Wirtschaftswachstum“. Gleich gar nicht dafür das in Summe der Preise ausgedrückte Wachstum ökonomischer Güter. Aber auch das Sich-Wohlfühlen ist keine messbare Größe. Es kann nicht mit etwas Bestimmten erfasst und dargestellt werden. Es ist allenfalls als Indikator von dem zu bezeichnen, was vom Wohlfühlen bewusstgeworden ist. Für alles das, was ein Wohlfühlen bewirken kann, gibt es zwar Indikatoren, für die Daten erfasst und ausgewertet werden. Doch aus diesen Auswertungen feststellen zu wollen, für welche dieser Indikatoren ein Wachstum notwendig ist, um den Stand des Sich-Wohlfühlens zu sichern, führt zu „Kaffeesatzleserei“.
Daraus und in diesem Verständnis von der Bezeichnung Reproduktionswachstum ist die Frage nach dem Verständnis von “Reproduktionsprozess” zu beantworten.
[1] „Reproduktionswachstum“, dieses Wort ist bereits Teil des Beitrages „Wirtschaftswachstum“– Mehrprodukt –Reproduktionswachstum“ aufgeführt. Dieser Beitrag ist hier im Jahr 2010 veröffentlicht worden. Die Auseinandersetzungen in diesem Beitrag 2010 befassten sich vor allem mit dem herrschenden Verständnis von Produktionswachstum, von der Notwendigkeit, mehr produzieren zu müssen, Mehr verteilen zu können. Zum Verstehen von Mehr lag der Beitrag des Autors über „Grundgedanken zu Mehrprodukt“ zugrunde, der in Wikipedia im September 2011 unter „Diskussion“ veröffentlicht worden ist.
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